Bäckerei Steffen Rach        Rudolf-Breitscheid-Strasse 9        09496 Marienberg OT Reitzenhain

Zur Geschichte der Stollenbäckerei


Mer habn aah sachzn Butterstolln,
su lang wie de Ufenbank,
un wenn mer se zam gass hom,
do sei mer alle krank.

Die 8. Strophe des im Erzgebirge bekannten und beliebten "Heilige-Obnd- Liedes" regt nicht nur zum Schmunzeln an, sondern birgt in sich auch ein kleines Stück "Stollengeschichte".

Der kleine, ovalförmige, schmack- und nahrhafte "Geselle", auch Stollen genannt, ist bis in die heutige Zeit hinein ein beliebtes Weihnachtsgebäck, das neben Plätzchen und Pfefferkuchen einen zentralen Platz auf der festlich geschmückten Kaffeetafel einnimmt.
Zu dieser traditionellen Bedeutung des beliebten Dauergebäckes trat in früheren Zeiten noch die ökonomische Bedeutung hinzu, insbesondere in der Region des Erzgebirges.
Die langen, strengen Winter mit ihren eisigen Winden und Schneeverwehungen schlossen nicht selten Straßen und Wege von der Außenwelt ab. Einkäufe zu tätigen war oftmals über einen längeren Zeitraum nicht möglich.
Da der Stollen lange frisch bleibt, legten sich die Menschen Mitte Dezember einen großen Stollenvorrat an. Dabei waren 20 bis 30 Stollen (je 1500g) für eine Familie mit 6 Personen keine Seltenheit. Der erste Stollen wurde jedoch traditionell erst am Heiligabend oder am ersten Weihnachtsfeiertag angeschnitten.

Natürlich sah das Stollenrezept damals bescheidener aus im Vergleich zu Heute:
Auf zehn Pfund Weizenmehl kamen 600 bis 1000g Zucker (je nach Geldbeutel), 500 bis 1000g Fettigkeit (ebenfalls abhängig vom Verdienst), 500g Rosinen mit Kern, Mandeln und Zitronat nur, wenn vorhanden, Aromastoffe wie Zitrone, Mandel, Vanille, Rum-Aroma und 150g Hefe. Diese Zutaten ergaben insgesamt 6 Stollen.
Der Stollenteig wurde von der Hausfrau zu Hause zubereitet, dann zum Bäcker gebracht und von diesem zu gleichen Stücken abgewogen, geformt und schließlich gebacken.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich allmählich die sogenannte "Hausbäckerei beim Bäcker", d.h. die Kunden kamen mit den nach eigenem Rezept vorbereiteten Zutaten in die Backstube und ließen sich den Teig vom Bäcker kneten, abwiegen, formen und backen.
Meist wurden die Stollen noch am gleichen Tage nach Hause geholt, dort mit Butter bestrichen und mit Zucker und Puderzucker bestreut.
Diese Hausbäckerei ging jedoch in den letzten zwanzig Jahren stark zurück, da der Stollen mehr und mehr zu einem Genussmittel avancierte inmitten eines großen Sortiments an weihnachtlichem Gebäck.
Dennoch gibt es auch heute noch zahlreiche Kunden, die jedes Jahr ihre Weihnachtsstollen nach ihrem eigenen Rezept in unserer Bäckerei backen lassen.
Diese Tradition wird seit Jahren in unserer Firma gepflegt und aufrechterhalten.
Dem modernen kulinarischen Zeitgeist entsprechend setzt sich jedoch der "Stollen über den Ladentisch" immer mehr durch. Das reichhaltige Sortiment an Stollen, welches sich auch in unserem Artikel-Sortiment widerspiegelt, können Sie in unserem Online-Shop bestellen.
Auch wenn die 8. Strophe aus dem "Heilig- Obnd- Lied" vielleicht nicht mehr ganz so aktuell ist, der traditionelle Weihnachtsstollen jedoch lässt sich von der festlich geschmückten Kaffeetafel einfach nicht mehr wegdenken.